Chatbots 2026
Die Chatbots
ChatGPT, Gemini, LeChat, Claude und DeepSeek
In erstaunlichem Tempo haben sich sowohl die Verbreitung als auch der Leistungsumfang der Chatbots seit dem ersten Erscheinen von ChatGPT im Dezember 2021 verbessert. Wenn Sie sich einen schnellen Überblick verschaffen wollen, hier das Wichtigste:
Verbreitung
Hinter jedem Chatbot steckt ein Sprachmodell, ein sog. Large Language Model (LLM). Weltweit existieren wahrscheinlich 50 bis 200 relevante Sprachmodelle. Aus ihnen werden tausende Chatbots für den allgemeinen Gebrauch gebaut. Viele Firmen benutzen eines der Sprachmodelle, vorzugsweise auch open source-Modelle, spezialisieren sie weiter oder verpassen ihnen ein Zusatztraining. So kommen dann Zehntausende von frmenspezifischen Chatbot-Varianten zustande.
Weltweite Verbreitung der Chatbots
Schätzung der aktiven User • Stand Mai 2026
Unangefochtener Platzhirsch bei den öffentlichen Systemen ist immer noch ChatGPT von OpenAI mit weltweit 800 Millionen bis - je nach Schätzung - 1.5 Milliarden aktiven Nutzern (in Deutschland sind es 15 bis 20 Millionen). Flottester Aufholer ist Gemini von Google und soll es auf 700 bis 800 Mio Nutzer gebracht haben (in Deutschland immerhin 5 bis 10 Mio). Ziemlich abgeschlagen folgen Claude von Anthropic mit 20 bis 50 Mio (in Deutschland 1 bis 3 Mio) und mit nochmal großem Abstand LeChat der französischen Firma Mistral mit einer niedrigen zweistelligen Zahl im Millionenbereich (in Deutschland unter einer Million). Keiner der Anbieter veröffentlicht belastbare Zahlen, daher nur Schätzungen.
Der Rest läuft unter ferner liefen, einschließlich Elon Musks Grok mit schätzungsweise 50 - 60 Millionen aktiven Nutzern weltweit. Deutsche Chatbots spielen so gut wie keine Rolle und sind eher Nichenprodukte, am bekanntesten noch Luminous von Aleph Alpha (50.000 bis 300.000 Nutzer in Deutschland und weltweit bis 500.000). Naturlich könnte man an dieser Stelle auch Amazons Alexa,Apples Siri und MetaAI erwähnen, doch das sind in ihre Firmenkultur eingebaute spezielle Chatbots und eine andere Klasse.
Über China ist hierzulande immer noch relativ wenig bekannt. Für DeepSeek gibt es Angaben von 100 bis 200 Millionen Nutzern weitweit, aber sicherlich enthalten diese Zahlen nicht die Verbreitung in China selbst.
Die Zahlen stammen von ChatGPT am 20.5.2026 mit der Anmerkung, dass es schwierig sei, genaue Nutzerzahlen zu bekommen, weil jeder Anbieter sie anders zählt und die Definition aktiver Nutzer auch sehr unterschiedlich ausfällt.
Das chinesische DeepSeek hat inzwischen einige Brüder und Schwestern, die kräftig mitmischen, die Wichtigsten sind Qwen von Alibaba, Ernie von Baidu, Kimi von Moonshot AI und Doubai von ByteDance. Über russische Chatbots wie GigaChat oder YandexGPT wissen wir offiziell so gut wie nichts.
Leistungsumfang
Noch beeindruckender als die schnelle Verbreitung ist die Leistungssteigerung der Chatbots. Sie fingen bescheiden nur mi Text an und konnten nicht mehr als Fragen ihrer Benutzinnen und Benutzer beantworten und das auch nur mit dem in ihrem Training erworbenen Weltwissen. Hier die wichtigsten Veränderungen:
Aktualität: Das „Wissen“ der ersten Chatbots reichte nur bis zum Datum ihres letzten Trainings. Inzwischen haben sie alle gelernt, auch im Intenet zu suchen und sind damit theoretisch so aktuell wie das Internet selbst. Sie haben auch gelernt, selber herauszufinden, ob sich die Anforderung einer Benutzerin oder eines Benutzers mit dem trainierten Wissen beantworten lässt oder ob man sich in die Internet-Suche begeben muss.
Contentfenster: Stellt man dem Chatbot eine Frage, so wird nicht nur diese Frage auf die Suche nach einer Antwort geschickt, sondern sie wird mit sehr vielen Informationen erweitert,
- mit ausgewählten Teilen aus dem kompletten bisherigen Benutzerdialog, also Anfragenan den Chatbot und seinen Antworten, u nd das für lange Zeiten zurück,
- mit den Voreinstellungen des Chatbot-Betreibers (z.B. Stil der Antworten),
- in begrenztem Umfang auch mit ausgewählten Vorlieben der Benutzer,
- und natürlich mit den Algorithmen des Herstellers, um den erlaubten Antworttext zu kontrollieren (z.B. Vermeidung von Hasstiraden, Anleitungen zu kriminellen Handlungen und auch politische Zensur).
- Mehr über die Technik hinter dem Contentfenster: siehe KI-Stand 2026
So „weiß“ der Chatbot, genauer das hinter ihm liegende Sprachmodell, was ungefähr die Interessen der benutzenden Person sind und kann dieses Zusatzwissen zur Präzision und Spezialisierung der Antwort verwenden.
Der Umfang dieses sog. Contentfensters wird von den meisten Anbietern inzwischen mit einer Million Token angegeben, umgerechnet zwischen 1000 und 2000 DIN-A-4-Textseiten. So entsteht der Eindruck, dass der Chatbot ein Gedächtnis hat.
Multimedialität: Alle genannten Chatbots können inzwischen Bilder und Videoclips nach Benutzeranweisungen erstellen und auch Bilder als Eingaben akzeptieren. Sie werden dabei gefühlt monatlich besser. Mit Ton tun sie sich noch etwas schwerer. Die Chinesen sind hier im Vorteil, weil ihre Sprache mit sehr bildhaften Zeichen arbeitet (vgl. DeepSeeks heimlicher Erfolgsfaktor).
ChatGPT
Auswahl Chatmodus
Modalitat: Alle Chatbots gibt es in unterschiedlichen Gründlichkeitsstufen. So unterscheidet z.B. ChatGPT zwischen Instant für schnelle und kurze Antworten, Thinking für gründlichere Suche, Deep Research für einen ausführlichen Bericht. Erweiterte Modelle gibt es für zahlende Kunden. Gemini bietet Schnellste Antworten, Vielseitige Unterstützung, Besonderheiten für Mathematik und Programmierung und Erweiterten Denkaufwand. LeChat wartet mit Schnell, Nachdenken, Arbeiten und Recherche auf, DeepSeek ist etwas bescheidener und unterscheidet nur Instant und Expert (Stand Mai 2026). Das alles kann sich aber im Wochen- oder Monatstakt ändern.
Sprachstil:
Im Jahr 2025 wurde es Mode, den Chatbots mehr human touch zu verleihen. Sie sollten für ihre Benutzerinnen und Benutzer beste Kumpels oder sogar befreundete Lebensbegleiter werden. Es fing an mit dem Sprachton. ChatGPT bot fast ein Dutzend Auswahlmöglichkeiten, von freundlich oder professionell bis zu zynisch (genauere Beschreibung siehe Sprachton im Dokument ChatGPT Version 5). Damit nicht genug, unter Personalisierung konnte man zusätzliche Einstellungen für das Verhalten des Chatbots, seinen Stil und Ton wählen (für ausfürlichere Info hier klicken). Es gab heftige Kritik an dem zu freundlich und zu gefällig geratenen Chatbot-Verhalten. Es hieß, den Kunden sei zu sehr „nach dem Munde“ geredet worden. Inzwischen hat man kräftig zurückgerudert, die Bots wurden auf sachlich getrimmt und bieten ihren Benutzern nur noch überschaubare Konfigurationen an (vorher-Nachher-Vergleich einblenden). Kurzum: Die Anbieter möchten wieder seriöser erscheinen.
Personalisierung ChatGPT Version 5.1 (2025) |
Personalisierung ChatGPT Version 5.5 (2026)
|
Tabelle verbergen
Reasoning: Mit der Anwendung der Mixture-of-Experts-Technologie auf breiter Front schreckte Anfang 2025 Chinas DeepSeek die Branche auf. Dahinter verbirgt sich die Aufteilung komplexerer Anfragen an mehrere Teilaufgaben, für deren Bearbeitung nur noch Teile der großen Sprachmodelle genutzt werden brauchen. Viele Chatbots machen die Aufteilung der Anfrage auch für die Benutzer sichtbar (siehe Beispiel im Dokument Reasoning) und präsentieren sich damit etwas transparenter. Die Antwortzeiten werden mit dieser Methode deutlich kürzer.
Für die Verbreitung der Modelle sind zusätzlich die wesentlich niedrigeren Entwicklungskosten und der verringerte Aufwand für das Training der Modelle entscheidend, wie die Erfolgsstory von DeepSeek und der anderen chinesischen Modelle zeigt (siehe Chinas KI-Strategie).
Agentic KI: Die Chabbots aller Anbieter der HighTech-Szene werden sukzessive mit Funktionen von KI-Assistenz angereichert und übernehmen Aufgaben von sog. KI-Assistenten. Erstere reihen sich noch ein in die Schar freundlicher Kameraden und bieten Erklärungen zu immer mehr Lebenslagen, halten sich auch nicht zurück mit guten Ratschlägen. Letztere, die Agenten, gehen einen Schritt weiter und erledigen Aufgaben, die man ihnen aufgetragen hat. Die Hersteller reden dabei immer öfter und immer lauter von autonomen Agenten. Für solche Anwendungen gibt es inzwischen viele besonders aufbereitete Softwaresysteme, aber immer mehr werden Spuren davon, oder besser erste Schritte, in die normalen Chatbots eingebaut.
Die Ära, in der Chatbots reine Text-Generatoren waren, geht langsam zu Ende. Mit ein paar kleinen Workplace-Erweiterungen kann man sie zum Beispiel Projekt-Mails zusammenfassen, Entwürfe für Mail-Antworten oder Bewerbungen schreiben oder aus Excel-Tabellen mit Verkäufen unrentable Produkte heraussuchen und als Charts darstellen lassen. Der Chatbot sucht sich dann die nötigen Werkzeuge zusammen. Sie können Reiseprospekte über 24 Tage Urlaub in Südtirol oder kleine Programme z.B. für die Animation einer Internet-Darstellun erstellen, vorausgesetzt man hat alles gut vorbereitet und verfügt über fehlerbereinigte und konsistente Daten (wovon die meisten anwendenden Firmen meilenweit entfernt sind. Schwierigkeiten mit der Agentic KI siehe Schwachpunke der Agentensysteme).
Das Chatbot-Umfeld
Die Chatbot-Angebote der HighTech-Unternehmen sind nicht isoliert zu betrachten. Die wichtigsten Änderungen in der Zukunft sind von der Chatbot-Einbindung in normale Programme und der leise fortschreitenden KI-Agententechnik zu erwarten. Vor dem Hintergrund ihrer enormen Investitionen müssen die Hersteller damit anfangen, auf ihre Wirtschaftlichkeit achten.
Integrierbarbeit
Die großen Sprachmodelle und ihre Chatbots verfügen über Programmschnittstellen, sog. Application Programming Interfaces (APIs). Dadurch wird es möglich, die Leistungen der Chatbots in ganz normale Computerprogramme einzubinden. Bekannte Beispiele sind Microsoft Copilot mit integriertem ChatGPT oder SAP mit seinem hauseigenen Chatbot Joule.
Dieser einfache Sachverhalt ermöglicht es, Arbeitssysteme einzurichten, in denen Künstliche Intelligenz ein zusätzliches leicht verfügbares elektronisches Werkzeug ist und es erlaubt, die Arbeitsmöglichkeiten der Benutzerinnen und Benutzer zu erweitern und damit einen Beitrag zur Qualität der Arbeit zu leisten anstelle die menschliche Arbeit zu ersetzen.
Agententechnik
Es ist zu erwarten, dass die Grenze zwischen „einfachen“ Chatbots und KI-Agenten in Zukunft undeutlicher wird. Damit erhält die KI-Technik die Möglichkeit, immer weiter in das private Leben der Menschen einzudringen. Davon betroffen sind nicht nur von der Technik übernommene lästige Routineaufgaben, sondern zunehmend auch planerische Tätigkeiten und in der nächsten Stufe deren direkte Ausführung durch die Technik. Den davon betroffenen Menschen bleibt dann nur, die Rahmenbedingungen zu bestimmen, innerhalb derer sich die Technik bewegt. Der verbleibende Entscheidungsspielraum läuft Gefahr, sukzessive eingeschränkt bzw. an äußere Vorgaben angepasst zu werden. Die BigTech-Firmen schicken sich an, immer mehr zu bestimmen, was main stream ist.
Wirtschaftlichkeitsprobleme
Keiner der großen Anbieter macht heute mit seinen Chatbots Profite. Google mit seinen immensen Werbeeinnahmen kann das gut wegstecken, doch für OpenAIs ChatGPT sieht das anders aus (Näheres dazu unter Geldverbrennungsmaschinen), ihr Chef Sam Altman wollte zunächst Werbung in den Chatbot-Betrieb einbauen, dann wollte er es mit speziellen Erotik-Angebote versuchen, natürlich gegen Aufpreis. Alles wurde wieder zurückgefahren, auch das Konzept, den Chatbot zum mitfühlendenPartner seiner Benutzer zu machen.
Geblieben von den vielseitigen Bemühungen ist, dass alle Anbieter eine kostenfreie Nutzung nur noch für einfache Dienste ermöglichen und anspruchsvolleren Gebrauch nur noch gegen Bezahlung, angefangen mit einem Monats-Abo ab 20 US-Dollar. Die Planung sieht auch deutlich höhere Preise vor, wenn es um die Einbindung von Agentendiensten geht, z.B. eine automatische Suche nach einer günstigen Innenstadtwohnung mit Benachrichtigung der suchenden Person oder die Tätigung von Einkäufen innerhalb eines Spezialbudgets.
Simulierte Emotionen
Langezeit waren die Chatbots auf der Welle, sich zu verständigen besten Kumpels oder klugen Assistenten ihrer Benutzer zu entwickeln. Sie hatten es gelernt, emotionale Reaktionen zu simulieren, die von vielen Benutzern als echtes Verständnis gewertet wurden (siehe auch Künstliche Empathie). Jugendliche, die sich durch ihnen nach dem Munde redende Chatbot-Freunde in den Selbstmord trieben ließen, schreckten die Öffentlichkeit auf. Hinzu kam, dass die Chatbots wegen allzu gefälliger Antworten zu viele Falschinformationen lieferten. So sind sich inzwischen die Anbieter einig, diese Trends wieder zurückzufahren.
Managementanforderungen
Wenn ein Unternehmen will, kann es sich eine sehr souveräne KI-Umgebung aufbauen und ist nicht auf die Segnungen von Microsoft mit seinen Copiloten angewiesen. Es gibt hinreichend Sprachmodelle und Chatbots, vorzugsweise aus der open source-Szene, die ausreichend leistungsfähig sind und sich mit eigenem Wissen des Unternehmens anreichern lassen (siehe dazu Kleine Chatbots mit Insiderwissen). Solche Systeme lassen sich sogar on premise installieren, auf jeden Fall aber in eigener Regie ausführen, auch unabhängig von den großen amerikanischen Cloud-Betreibern und der irrlichternden augenblicklichen US-Regierung (Stand Mai 2026).