Künstliche Intelligenz - Ein Aktionsplan
KI ist das derzeitige Top-Thema der IT. Sie ist überall, nicht nur bei der Arbeit, und ist dabei, sich immer mehr auch in unserem Privatleben breit zu machen.
Die öffentliche Diskussion wird von den Versprechungen der Hersteller und Unternehmensberatungen geprägt. Sie lassen nichts aus, um die ungeheuren Produktivitätsvorteile hervorzuheben. Firmen überbieten sich mit Kostensenkungs- und Entlassungsberichten. Droht eine Massenarbeitslosigkeit? Hintergrundinfo zeigen.
Es gibt es viele Menschen, die sich mit Begeisterung in die neue Technik stürzen. Doch wenn man genauer hinschaut, sieht man auch hier wachsende Bedenken. Vor wenigen Jahren glaubten viele junge Leute, ein Informatikstudium sei eine Garantie für einen lebenslang sicheren Job. Die Massenentlassungen gerade bei den HifgTech-Firmen stimmen nachdenklich. Gerade hochqualifizierte Berufsanfänger haben es immer schwerer, einen Job zu finden. Schlimmer noch, die als kreativ geltenden Tätigkeiten geraten in die Gefahrenzone. Nicht nur einfache, auch Büroarbeit mit gehobenen Ansprüchen trifft es hart.
Unbestreitbar haben viele Beschäftigte Angst um ihrem Arbeitsplatz, noch nicht unbedingt direkt und sofort, aber da ist das Gefühl einer wachsenden Bedrohung. Nur wenige Unternehmen haben klare Vorstellungen über ihre Zukunft mit KI. Vor allem bei den kleineren Firmen passiert erst einmal nichts. Für Betriebsräte also kein dringender Handlungsbedarf? Jetzt zumindest noch nicht, denken viele. Unterdessen schreitet die Technik erbarmungslos fort:
- Zuerst waren es die Chatbots. Jeder Mensch konnte selber erleben, wie „schlau“ die neue Technik ist, wie menschlich verständlich sie daher kommt, was sie alles weiß.
- Dann kamen die KI-Agenten. Die netten Tools können nicht mehr bloß kluge Sachen sagen, sondern, wie uns beigebracht wird, selbständig handeln. Wir fangen an, uns zu fragen, ob man uns noch braucht. Und wenn ja, wie lange noch? Es entsteht der Eindruck, dass uns immer mehr Entscheidungen abgenommen werden.
- Heute ist KI überall. Die neuen Tools werden in mehr oder weniger jedes normale Computerprogramm eingebaut. Selbst SAP bleibt davon nicht verschont. Wer mit KI nicht umgehen kann, bekommt auch hier Probleme.
- An vorderster KI-Entwicklungsfront wird darüber nachgedacht, wie man die Technik dazu bringen kann, nicht mehr nur die Aufgaben zu lösen, für die man einen Computer braucht, sondern den Computer gleich selber zu bedienen.
Nick Turley, Produktionschef OpenAI: Wenn wir weiter vorausschauen, ist unser großes Thema gerade, wie wir KI beibringen, einen Computer zu nutzen. Wir erledigen jegliche Form von Wissensarbeit am Computer, in Programmen wie Excel, beantworten E-Mails, designen. Bringen wir der KI bei, wie sie einen Computer selbst bedient, wie ein Mensch, kann sie bei allem helfen, was am Computer passiert. ... Das ist quasi wie ein Praktikant, der rund um die Uhr für mich arbeitet.
zitiert nach t:n vom 10.5.2026
Fragt man Beschäftigte, ob sie ihren Arbeitsplatz bedroht sehen, so werden viele von ihnen dies verneinen oder sagen: nicht direkt. Aber es bleibt ein unheimliche Gefühl. Schon zu viele Beispiele sind bekannt, dass Entlassungen mit dem Einsatz von KI begründet wurden.
Ungewissheit verursacht für die meisten Menschen Stress. Wenn dieser Stress sich noch mit Angst verbindet, ist das erwiesenermaßen sehr ungesund. Daraus ergibt sich als erste Konsequenz: Aufklärung.
Aktionsfeld Aufklärung
Wer sich nicht auskennt, kann niemandem helfen. Auch für Betriebsräte heißt das, wenn ihr etwas für eure Belegschaft tun wollt, geht kein Weg daran vorbei, euch sachkundig zu machen: was die neue Technik wirklich kann - aber auch was sie nicht kann. Was man unbedingt wissen sollte zeigen.
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Die KI-Technik ist nicht wirklich intelligent.
Sie kann nicht autonom denken und nur wiedergeben, was ihr im Training mit vielen Milliarden bisher veröffentlichter Texte beigebracht wurde. Sie findet mit Hilfe von Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung Antworten auf unsere Fragen (einfache Erklärung hier).
- Die KI-Technik ist ungeheuer gut in Mustererkennung.
Auf dieser Basis kann sie Lösungsvorschläge für gestellte Aufgaben herausfinden. Sie kann gut Texte zusammenfassen.
- KI verfügt über keine autonome Wahrnehmung und kann Gefühle nur simulieren.
Alles was die Technik kann, basiert nur auf Modellen von der Welt, nichts ist „echt“ (siehe auch Wahrnehmung, Simulierte Emotionen, künstliches Bewusstsein).
- Agentic KI ist die Verbindung von Künstlicher Intelligenz und Workflows.
Dies ermöglicht neue Formen von Automatisierung, die oft mit autonomem Handeln verwechselt werden.
- Die Grenzen der KI.
Man sollte sich einen Übrblick verschaffen, was KI gut kann und wo ihre Leistungsfähigkeit versagt. und wissen, was es mit der „Superintelligenz“ auf sich hat.
verbergen
Eigene Kompetenz
Es hilft nichts, Sie müssen sich sachkundig machen. Sie müssen nicht in die Details der KI-Techniken eintauchen, aber Sie sollten sich Ünerblick, eine solide „Helikoptersicht“ verschaffen. Dazu gibt es eine Menge durchaus verständlicher Literatur. Als Betriebsrat haben Sie das Recht auf eine Fortbildung, können entsprechende Schulungsveransteltungen besuchen und für Sie oder zumindest die interessierten Mitgieder Ihres Gremiums eine spezielle Seminarveranstaltung aussuchen.
Leitbild des Unternehmens
Im Rahmen Ihres Informationsrechts (gemäß § 80 Abs. 2 BetrVG) können Sie das Unternehmen auffordern, Ihnen die Vorstellungen, die Vision oder Strategie des Unternehmens im Umgang mit der Künstlichen Intelligenz darzustellen und ausführlich zu erläutern. Bestehen Sie dabei sowohl auf technisch kompetenten als auch entscheidungsbefugten Vertretern. Lassen Sie nicht locker, wenn man Sie mit Ausreden abspeisen will. Sorgen Sie dafür, dass die Belegschaft von diesem Leitbild erfährt. Wenn das Unternehmen nichts tut, können Sie es z.B. zum Thema einer Betriebsversammlung machen.
Unternehmen und Betriebsrat sollten sich auf Grundsätze einigen, die für alle KI-Initiativen des Unternhemens gelten, z.B.
- Der Fokus des Einsatzes Künstlicher Intelligenz liegt in der Verbesserung der Arbeitsqualität und nicht im Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch Technik.
- Es gilt der Grundsatz, dass Systeme oder Funktionen der Künstlichen Intelligenz in Arbeitssystemen als Werkzeuge zur Unterstützung der Arbeit eingesetzt werden. Insbesondere sollen sie die Benutzerinnen und Benutzer befähigen, in eigener Initiative sich die für ihre Arbeit unterstützende Information beschaffen zu können.
- KI-Funktionen werden verständlich, benutzerfreundlich und transparent organisiert, sodass für die Benutzerinnen und Benutzer jederzeit sichtbar ist, was das Programm tut.
- KI-Funktionen werden sicher gestaltet und verwenden nur diejenigen Berechtigungen, die ihre benutzenden Personen auch persönlich haben, sodass sie niemals in die Situation geraten, sich für etwas verantworten zu müssen, das sie nicht jederzeit überschauen konnten.
- Bei der Gestaltung von KI-Funktionen werden menschenähnliche Reaktionsweisen vermieden, insbesondere die Simulation von Gefühlen. Sie präsentieren sich nur als Arbeitswerkzeuge, nicht als persönliche Freunde.
- Auf die Erkennung oder Auswertung emotionaler Befindlichkeiten der Benutzerinnen und Benutzer wird verzichtet.
- Biometrischen Beschäftigtendaten (Fingerabdrücke, Gesichts-, Augen-, Stimm- oder Körperhaltungdaten) in Anwendungssystemen werden nicht verwendet. Ausnahmen gelten nur in begründeten Fällen für den alleinigen Zweck der Identifizierung für die Berechtigung (Login) zu einer Anwendung oder einem Gerät.
- Soweit KI-Systeme Entscheidungen vorbereiten, muss deren Vorschlagscharakter klar erkennbar sein. Die benutzenden Personen müssen diese Vorschläge ablehnen oder modifizieren können. Folgen sie den Vorschlägen des Systems, so muss dies aktiv durch die benutzende Person ausgelöst werden.
- Von KI-Systemen automatisch getroffene Entscheidungen sind auf vollautomatiserte Arbeitsabläufe begrenzt, die keinerlei Vermischung mit von Menschen durchgeführten Arbeitsschritten aufweisen.
- Soweit derzeitige KI-Agenten automatisierte Arbeitsabläufe erledigen, bedarf ihr Aufruf einer menschlichen Entscheidung, die durch eine Aktivität der benutzenden Person ausgelöst werden muss.
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Für eine rechtsverbindliche Dokumentation solcher Grundsätze bietet sich der Abschluss einer Rahmenbetriebsvereinbarung zum Einsatz Künstlicher Intelligenz an.
Es ist wichtig, dass solche Grundsätze den Beschäftigten auch bekannt sind und nicht in der Dunkelheit von Aktenordnern verschwinden. Das interne Netz des Unternehmens (Intranetz) bietet viele Möglichkeiten, auch an prominenter Stelle für solche Bekanntheit zu sorgen.
Aktionsfeld Qualifizierung
Nochmals zur Erinnerung: Wer bei seiner computerunterstützten Arbeit heute nicht lernt, mit den KI-Tools umzugehen, wird in näherer Zukunft ernsthafte Probleme mit seiner Arbeit bekommen. Ein Unternehmen, das nichts für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz tut und sich nicht um die Qualifizierung seiner Beschäftigten kümmert, wird ebenfalls Probleme bekommen, das wäre billigend in Kauf genommene Gefährdung der Arbeitsplätze.
Die komplette Fachwelt ist sich einig, dass es ohne qualifizierte Mitarbeitende keine qualitativen Vorteile der Künstlichen Intelligenz geben wird. Qualifikation fällt nicht vom Himmel. Da es um die Zukunft der Beschäftigten geht, darf man sich nicht mit Absichtserklärungen zufrieden geben, konkretes Handeln ist geboten:
Qualifikationsprogramme
Alle Beschäftigten mit computerunterstützten Arbeitsplätzen müssen eine angemessene Qualifikation erhalten. Leider ist es in den meisten Unternehmen schlecht bestellt um die KI-Qualifizierung der Mitarbeitenden (Details zeigen).
Nach einer Forsa-Umfrage vom April 2026 gaben nur 27 Prozent der befragten Unternehmen an, dass überhaupt etwas in Sachen KI-Schulung unternommen wurde. Die Zahl sagt allerdings noch nichts über die Tiefe der Schulungen. Je kleiner die Betriebe sind, desto niedriger fällt die Quote aus. Im Großen und Ganzen werden die Mitarbeitenden allein gelassen und müssen sich selber zurecht finden. Oft machen sich die Unternehmen noch nicht einmal die Mühe, ihre Beschäftigten auf die durch KI verschärften besonderen Gefahren für die Sicherheit ihrer Computersysteme hinzuweisen.
Viele Unternehmen beschränken sich bei ihrem KI-Einsatz auf die Konzepte der großen Anbieter, mit Abstand vorneweg Microsoft mit seinem Copilot-Programm. Das kostet extra Geld, weshalb die User-Lizenzen oft beschränkt sind. Oft wird dann bei der Auswahl der Beschäftigten nach dem Windhund- oder Nasen-Prinzip verfahren.
Der Betriebsrat sollte darauf bestehen, dass alle Beschäftigten der betroffenen Unternehmensbereiche die gleiche, angemessene und gründliche Ausbildung erhalten. (Details zeigen)
Neben Präsenzveranstaltungen kommen v. a. E-Learnings, Online-Dokumentationen, Foren und Q&A-Sammlungen in Betracht. Für gemeinschaftliches Lernen sind Workshops zu ausgewählten Themen oder Aufgaben gut geeignet, v.a. wenn es darum geht, Chatbots als zusätzliche Werkzeuge während der Arbeit zu benutzen. Das Formulieren richtiger Fragestellungen, das sog. Prompting lässt sich in gegenseitigem Erfahrungsaustausch besser erproben als in Einzelarbeit.
Der Einbau von Elementen des Erfahrungsaustauschs der Beschäftigten untereinander empfiehlt sich gerade auch deshalb, weil alle computergebundene Arbeit die Arbeitsprozesss eher vereinzelt als ihren kooperativen Charakter zu betonen. Je mehr Interaktivität in den elektronischen Medien untergebracht wird, desto besser.
Vorausschauende Planung
Das KI-bedingte Veränderungstempo ist in der Industriegeschichte beispiellos. Es sieht in den wenigsten Fälle so aus, dass eine bisher angewendete Technik zu einem Stichtag abgelöst und durch eine andere, modernere ersetzt wird. Vielmehr handelt es sich um andauernde Veränderungsprozesse, innerhalb derer
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ganze Arbeitsabläufe und Arbeitsplätze verschwinden,
- bestehende Arbeiten mit KI-Unterstützung verändert werden oder
- bisher nicht vorhandene Tätigkeiten neu entstehen.
Wenn man Arbeit als ein System versteht, in dem menschliche Arbeit und technische Unterstützung als ein integriertes Arbeitssystem betrachtet wird, so gilt es,bewusste Entscheidungen zu treffen, welche Arbeitsschritte technisch unterstützt oder ersetzt werden und welche Arbeitsschritte ausschließlich von Menschen ausgeführt werden.
Reskilling nennt sich in bestem Manager-Speech die gezielte Ausbildung von Mitarbeitenden für völlig neue oder veränderte Aufgabenbereiche. Diese Planung umfast mehrere Stufen:
- Welche Fähigkeiten der Mitarbeitenden sind heute vorhanden?
- Welche Fähigkeiten werden dort z.B. in drei bis fünf Jahren erforderlich sein?
- Welche Trainingsschritte (Online-Kurse, Mentoring, Lernprojekte, Trainings) können angeboten werden?
- Und ganz speziell: Was geschieht mit erfahrenen Mitarbeitenden, die über besondere Fähigkeiten verfügen, die durch KI-Technik ersetzt werden oder wegfallen?
Spannende Fragen für eine Serie von Brainstormings. Wenn die Arbeitgeberseite keine Initiative ergreift, kann der Betriebsrat darauf drängen, im Sinne einer gemeinsamen Fürsorgepflicht für die Beschäftigten.
Es empfielt sich, ein Verfahren zu vereinbaren, um in regelmäßigen Abständen (beispielsweise vierteljährlich) den Stand der Dinge festzustellen.
Aktionsfeld Mentale Folgen
Wirtschaftsauguren sind sich einig, dass Effizienz, Produktivität, sinkende Kosten und Bearbeitungszeiten beobachtet werden müssen, doch die menschlichen Reaktionen auf diese Beschleunigungen sind kaum bzw. kein Thema der Reportings in den Unternehmen - obwohl alle sich einig sind, dass die in Aussicht gestellten Erfolge sich nicht einstellen werden, wenn die Menschen nicht mitmachen.
Die Folgen dieser Vernachlässigung sind wegen der Neuheit der KI-Technik einerseits und ihrer extrem schnellen Änderungsrate andererseits erst in Ansätzen erkennbar. Die wichtigsten Aspekte sind:
Alarmzeichen
- Das Überflüssigkeitssyndrom: Menschen sehen die enormen Leistungen vor allem der Allgemeinen Künstlichen Intelligenz und fragen sich, was ihr oft in langer Zeit erworbenes Fachwissen noch wert ist. Man ahnt, mit der Zeit überflüssig zu werden und sieht seine Verantwortlichkeit schwinden. Viele haben das Gefühl, dass ihnen Entscheidungen in der Arbeit Schritt für Schritt abgenommen werden.
- Intensivierung der Arbeit: Mitarbeitende sehen, was alles und wieviel mehr in einer KI-unterstützten Arbeit geht und nehmen mehr auf sich, als nachhaltig ist, weil sie den Druck verspüren, ihren Wert kontinuierlich unter Beweis stellen zu müssen. Die dadurch erhöhte Arbeitsbelastung verursacht Stress und beschleunigt Erschöpfung. Das Selbstwertgefühl sinkt.
- Verlust der Motivierung: Es steht außer Frage, dass v.a. die generative KI die Qualität der Aufgaben und die Produktivität verbessert, aber auch die intrinsische Motivation und damit das emotionale Engagement bei der Arbeit verringert (s. Harvard Business Review).
- Wachsende Isolation: Da KI immer mehr Interaktionen vermittelt, kann die Zusammenarbeit unter Mitarbeitenden still und leise nachlassen. Die Arbeit wird zwar effizienter, aber unpersönlicher und weniger gemeinschaftlich. Das Zugehörigkeitsgefühl und die Arbeitsmoral laufen Gefahr, demontiert zu werden. Diesen Prozess sollte man aufmerksam verfolgen.
Wenn die optimistische Einstellung zur Arbeit verloren geht, verschwindet die Neugier, die Begeisterungsfähigkeit und die intrinsische Motiviertheit. Das Gefühl anhaltender Bedrohtheit erzeugt negativen Stress, und dessen Auswirkung auf die Gesundheit ist hinreichend bekannt, nicht nur arbeitsmedizinisch, sondern auch für das Selbstwertgefühl, jedenfalls für die Menschen, die einen großen, wenn nicht den größten Teil ihrer wachen Lebenszeit bei oder mit der Arbeit verbringen.
Das Betriebsverfassungsgesetz hat mit seinem Gebot der vertrauensvollen Zusammenarbeit die Betriebsräte und die Arbeitgeberseite in ein Rollenspiel gezwungen, die Belange des Betriebes und der Beschäftigten angemessen gegeneinander abzuwägen.
Im Klartext heißt dies, die Betriebsräte haben dafür zu sorgen, dass bei allem technischen Fortschritt die Menschen nicht unter die Räder geraten.
Abhilfen
Die oben genannten Aspekte beschreiben mögliche Entwicklungen, die nicht notgedrungen eintreten müssen. Ihre Vermeidung erfordert nicht nur aufmerksame Beobachtung, sondern auch in die Entwicklung eingreifende Korrekturen. Die Zukunft der KI-Technik ist immer noch nur schwer einschätzbar. Zu viel propagandaträchtiger Optimismus auf der einen, zu viel irrationaler Pessimismus auf der anderen Seite erschweren einen klaren Blick.
Die Befürchtung des Arbeitsplatzverlustes wird vor allem von der Agentic KI getriggert, deren Protagonisten bei ihrer Werbung gerne das irreführende Narrativ von autonom handelnden Systemen benutzen. Doch technisch sind KI-Agenten auch nur durch Algorithmen festgelegte Arbeitsabläufe (Hintergründe zeigen).
Es sind vor allem die großen Konzerne und Unternehmen, die mit der Agentic KI herumexperimentieren. Im April 2026 vermelden dies immerhin 40 Prozent, aber nur 15 Prozent sehen darin bisher auch einen Nutzen, bei ungewisser abzuziehender Schönrede-Dunkelziffer. Die wichtigsten Gründe für den ausbleibenden Erfolg sind unvollständige und schlampige Daten, verstreute Datensilos, unterschiedliche Formate, unterlassene Bereinigung der vielen Fehler in der Datenbasis und hauptsächlich undurchdachte Prozesse.
KI-Agenten sind nichts anderes als mit Workflows kombinierte KI, mit dem kleinen aber wichtigen Unterschied, dass die Prozesse nicht durch festprogrammierte Algorithmen abgewickelt werden, sondern mit KI-Fähigkeiten gesteuert werden. Fast alles hätte man vorher auch haben können, ganz ohne KI, wenn man sich die Mühe gemacht hätte, die betroffenen Arbeitssysteme neu zu planen, die bis dato vorhandenen Prozesse zu entrümpeln, zu entbürokratisieren und zu vereinfachen.
Das Hauptproblem wird nach wie vor nicht angegangen, nämlich planerisch eine Grenze zu definieren, welche Prozessschritte entfallen können, vollautomatisiert von elektronisch gesteuerter Technik abgewickelt, von Technik nur unterstützt oder von Menschen erledigt werden sollen. Eine nur technikfixierte Betrachtung bleibt in ihrer Sackgasse stecken.
Das Hindernis bei der klassischen Automatisierung ist ihre zu geringe Flexibilität. Die Hoffnung auf KI als Garant für künftige Flexibilität verkennt, dass die auf den bewährten Sprachmodellen (LLMs) aufsetzende KI nur Ergebnisse auf der Grundlage von Mustern erarbeiten kann, die schon einmal da waren, also nicht wirklich neu sind und bestenfalls in bisher nicht bemerkter Kombination erscheinen.
Wirklicher Fortschritt benötigt eine Planung, die sowohl die Technik als auch die Rolle der Menschen in einem integrierten Arbeitssystem aktiv bestimmt.
Hintergründe verbergen
Beteiligung organisieren
Die KI-Technik in den Unternehmen ist zu neu, um mit einer Liste von Regelungsvorschlägen aufzuwarten, dazu fehlen noch belastbare Erfahrungen. Die Betriebsräte müssen Wege finden, mit den Beschäftigten herauszufinden, was sie bedrückt und was sie sich wünschen. Das ist kein Job fürs Home Office, man muss mit den Menschen reden. Anders wird es nur schwer möglich sein, den Belangen der Beschäftigten gegenüber dem Unternehmen Geltung zu verschaffen. Um dies zu organisieren, braucht es ein Verfahren. Zumindest dessen Rahmenbedingungen können in einer Betriebsvereinbarung festgelegt werden, wie z.B. in dem Vorschlag auf dieser Internet-Plattform.
Ausblick
Die Entwicklung der KI-Technik hat längst die Phase ihrer euphorischen Anfangsbegeisterung verlassen. Die Menschen haben inzwischen vielfältige Ängste wegen des KI-Einsatzes in der Arbeit. Die Jobsuche ist härter geworden. Zu viele Unternehmen machen Schlagzeilen mit drohenden Entlassungen. Die weitere Entwicklung wird maßgeblich davon abhängen, ob die Qualität der von Menschen zu leistenden Arbeit verbessert werden kann und eine gerechte Verteilung der Produktivitätsgewinne gelingt. Betriebsräte müssen sich entscheiden, welche Rolle sie in dieser Auseinandersetzung um die Zukunft der Arbeit spielen.