Digitalisierung und Führungskultur

Einer der wichtigsten Vorteile der Digitalisierung in den Unternehmen besteht darin, alle für die Arbeit wichtigen Informationen an den Ort der Arbeit zu bringen, dorthin, wo sie gebraucht werden. Dies lässt sich aber nur umsetzen, wenn die Unternehmenskultur ein paar wichtige Änderungen erfährt:


Obacht: Es gibt eine Kehrseite des Cloud Computing. So sinnvoll dies für nicht geschäftskritische oder stark normierte Abläufe ist, so kritisch ist aber auch der mit der Auslagerung verbundene Verlust an Autonomie und der Abbau eigener Kompetenzen zu sehen.

Ein kritischer Blick muss auch der Technisierung von Kommunikation gelten. Es gibt ein Zusammenspiel von formellen und informellen Prozessen. Technik kann formalisierte Abläufe wunderbar unterstützen - wohlgemerkt: unterstützen, und nicht unbedingt ersetzen. Jeder Prozess hat auch eine informelle Seite, die Dinge, die sich nicht katalogisieren lassen, unverhofft auftreten und Überraschungen bieten - sie sind beim menschlichen Geist besser aufgehoben. Dieses Wechselspiel will organisiert sein und erfordert eine Menge Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl. Daruas können sich dann wieder Konsequenzen für die Verbesserung der formellen Abläufe ergeben, so kann eine Spirale des Fortschritts entstehen.

Anforderungen an die Führungskräfte und die Unternehmenskultur

Das größte Hindernis ist der Fortschritstskiller Kontrolle. Viele (vermutlich immer noch die meisten) Führungskräfte tun sich schwer damit, dem Vertrauen in die Leistungswilligkeit der Mitarbeitenden Vorrang vor der Kontrolle ihrer Arbeit einzuräumen.

Eine sinnvoll eingesetzte IT kann für eine enorme Steigerung der Transparenz sorgen. Alle können, wenn sie denn wollen, alles über ihre Arbeit, über die Zusammenhänge mit der Arbeit anderer Teams wissen. Und dieses Wissen sorgt für eine andere Art der Kontrolle, für eine Kontrolle mit sozialer Dimension, die Verantwortung und Engagement fördert. Firmen vor allem im High-Tech-Bereich haben das vorgemacht (Beispiel Projekt Oxygen von Google). Grundsatz: Keiner soll sich beklagen können, aus Mangel an Information seine Arbeit nicht machen zu können. Transparenz sorgt dafür, dass vielen Menschen auffällt, wenn etwas droht, an die Wand zu laufen. Die Aufgabe der Führungskräfte konzentriert sich dann auf die Supervision des Geschehens und vor allem darauf, Zusammenarbeit herzustellen, wo sie nicht von selber erfolgt.

 

Karl Schmitz, Dezember 2021