Kurzfassung

Bewusstsein ist keine ausschließlich kognitive Sache, braucht Gefühle und Leben. Seine Hauptaufgabe besteht darin, uns am Leben zu halten. Es hat sich in der Evolution als beste Strategie erwiesen, dieses Ziel mit Erfolg zu erreichen.

Damásios Theorie in einem Satz: Bewusstsein entsteht, wenn ein lebender Organismus seine Welt nicht nur mental abbildet, sondern diese Welt aus der gefühlten Perspektive seiner eigenen Existenz erlebt.

Bei der Künstlichen Intelligenz wird häufig übersehen, dass sie von der Natürlichen Intelligenz erfunden wurde. Ein künstlicher Geist muss sich nicht um sein Leben kümmern, denn er hat keines. Er hat nichts zu verlieren, weil er nichts besitzt, schreibt Damásio in seinem neuen Buch (S. 170).



Bewusstsein, Natürliche und Künstliche Intellligenz


António Damásio

Der portugiesisch-amerikanischer Neurowissenschaftler António Damásio (*1944) ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Bewusstseinsforscher. Im Mittelpunkt seiner Forschung steht die Frage, wie Bewusstsein, Gefühle und Denken entstehen. Derzeit leitet er das Brain and Creativity Institute an der University of Southern California (USC) in Los Angeles. Er hat ein neue Buch geschrieben: Natürliche Intelligenz und Bewusstsein in Zeiten von KI, erschienen im September 2026 (Original: Natural Intelligence and the Logic of Consciousness).

Damásio wandte sich gegen die traditionelle Trennung von Körper und Geist und vertritt die Auffassung, dass Vernunft und logisches Denken ohne emotionale Signale nicht funktionieren.

Bewusstsein ist für Damásio ein biologischer Prozess, den es nicht ohne Körper gibt. Es ist in der Evolutionsgeschichte erst sehr spät entstanden und hat zuallererst das Ziel, uns am Legen zu erhalten.

Homöastatische Gefühle sind nach Damásios Auffassung hauptsächlich verantwortlich für die Entstehung unser Bewusstsein. Es handelt sich dabei um einen biologischen Prozess, der mit einem Nervensystem ausgestattete Lebewesen in die Lage versetzt, ihr eigenes Dasein und die Existenz einer sie umgebenden Welt wahrzunehmen. Seine Hauptaufgabe besteht darin, diese Lebewesen am Leben zu erhalten.

Nach Damásio gibt es kein Bewusstsein ohne Körper. Die begriffliche Trennung von Geist und Körper ist ein Erbe der Philosophie aus der beginnenden Neuzeit (René Descartes mit der Begrifflichkeit res cogitans für den Geist und res extensa für die Materie). Alle Lebewesen müssen sich ständig um ein empfindliches Gleichgewicht bemühen, ihre teils nur in engen Grenzen funktionierenden inneren Lebensbedingungen trotz äußerer Veränderungen in lebensverträglichen Grenzen zu halten.

Diese sogenannte Homöostase reguliert lebenswichtige Prozesse wie Körpertemperatur, Energieversorgung und Stoffwechsel. Damásio sieht hier die biologische Grundlage für die Entstehung von Gefühlen und Bewusstsein. Den Menschen verschaffte diese Kombination einen entscheidenden evolutionären Vorteil, nämlich Erfahrungen besser auszuwerten, zukünftige Entwicklungen vorauszusehen und sich aktiv flexibler an neue Situationen anzupassen. Dadurch ließen sich Gefahren besser vermeiden, die Überlebenschancen erhöhen und die Zusammenarbeit mit anderen Menschen gezielter gestalten.

Begriffsklärung:

Wenn man mit Wörtern wie Geist, Intelligenz, gleich ob natürlich oder künstlich, Emotionen, Gefühlen und Bewusstsein umgeht, ist es nützlich, zu klären, was man darunter versteht.

Damásio sieht unter Emotion (emotion) eine körperliche und neuronale Reaktion des Organismus. Dagegen ist für ihn Gefühl (feeling) das subjektive, mentale Erleben eines Körperzustands. Emotionen können ein weitgehend automatisch ablaufendes Reaktionsprogramm sein, das durch bestimmte Reize oder Situationen ausgelöst wird und noch nicht bewusst sein muss.

Die Theorien der meisten Bewusstseinsforscher (vgl. Bewusstseinstheorien) sind kognitionslastig und sehen im Bewusstsein geistige Leistungen, vor allem die Fähigkeit zu rationalem Denken. Damit räumt Damásio gründlich auf. Ein Gefühl entsteht nach seiner Theorie, wenn das Nervensystem aus erfassten körperliche Zuständen eine subjektive Erfahrung macht. Dabei unterscheidet er zwischen verschiedenen Quellen:

  • Interozeptive Gefühle sind Verarbeitungen der Signale aus dem Körperinneren wie z.B. die Körpertemperatur, Herzschlag, Atmung, Nahrungsmangel, der als Hunger oder Durst gefühlt wird, Schmerz, Lust und Unlust, Müdigkeit und Erschöpfung und - nicht zu vergessen - das elementare Lebensgefühl. Sie sind Signale, die teils automatische Korrekturen auslösen, z.B. Trinken nach empfundenem Durst.
  • Exterozeptive Gefühle sind die Ergebnisse der Wahrnehmung von außen, vor allem durch die Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Sie sind aber keine Gefühle in engerem Sinne, sondern liefern vor allem mentale Bilder von der Außenwelt, die das Gehirn erzeugt, zum Beispiel Angst beim Anblick einer heranrasenden Tsunamiwelle.

Gefühle können aber auch unterschieden werden nach

  • homöostatischen Gefühlen, d.h. alle Signale aus dem Körperinnern, die zur Regelung des Überlebensgleichgewichts gebraucht werden und sofortige Reaktionen auslösen können und
  • emotionalen Gefühlen wie Wut, Freude, Trauer, Ekel, Verachtung, Angst, Überraschung (vgl. Emotionserkennung), die subjektive Erfahrungen darstellen und auf Repräsentationen körperlicher Zustände beruhen.

Bewusstsein

Jetzt die spannende Frage: Was hat das alles mit Bewusstsein zu tun? Damásio hat dafür einen Stufenplan:

  1. Die erste Stufe lässt sich als unbewusste Lebensregulation beschreiben: Der Organismus reagiert auf registrierte Veränderungen seines inneren Zustands mit homöostatischen Prozessen, zunächst ohne subjektives Erleben. Beispiele sind die Blutzucker-, Blutdruck-, Körpertemperatur-, Atmungsregulation und die Zell-Regulierung des Energiehaushalts - kann alles ohne Bewusstsein bewerkstelligt werden.
  2. Bei in der Evolution fortgeschritteneren Organismen entstehen durch das Zusammenwirken körperlicher Regulationsprozesse und neuronaler Interozeption elementare Gefühle wie Hunger, Schmerz, Erschöpfung oder Wohlbefinden. Damit entsteht eine ursprüngliche Form bewussten Erlebens. Hier ist aus bloßer Regulation bereits das subjektive Erleben des eigenen Lebens geworden.
  3. Wenn sich diese kontinuierlichen Gefühle mit mentalen Bildern und der individuellen Wahrnehmungsperspektive verbinden, werden diese Inhalte als Erlebnisse des eigenen Organismus erfahren, und es entsteht ein umfassenderes Bewusstsein. Beispiele sind die Angst vor einer drohenden Gefahr, die Freude bei einem spontanen Wiedersehen, Erinnerungen, Entscheidungen, Vorstellungen über die Zukunft, Besorgnis und Planung u.ä. , also ein umfassenderes Erleben der Beziehung zwischen dem eigenen Organismus und seiner Umwelt.

David Chalmers

Als Beschreibung erscheint diese Darstellung einleuchtend. Es ist das Verdienst des australischen Philosophen und Kognitionswissenschaftlers David Chalmers, mit der Frage nach dem Hard Problem of Conciousness die Suche nach einer Antwort auf die Frage angestoßen zu haben, warum und wie physikalische Prozesse im Gehirn subjektives Erleben erzeugen können. Wir haben leistungsfähige Instrumente wie bildgebende Verfahren der Neurologie (fMRT- und EEG-Scans), mit denen man alles Mögliche, was im Gehirn geschieht, insbesondere die elektrischen Signalflüsse zwischen den Neuronen sichtbar machen kann. Aber wir finden keine Antwort darauf, wo und wie aus Sinneseindrücken oder anderen Signalen eine Empfindung entsteht. Wesentliche Aktivitäten des menschlichen Geistes entziehen sich der Sichtbarmachung durch unsere derzeit besten Instrumente.

Schaut man auf den menschlichen Geist, so sieht Damásio drei Aspekte:

  • Fühlender Geist: er erzeugt ständig komplizierte Gefühle, die den Zustand des Inneren beschreiben. Sie sind homöostatisch, beziehen sich auf die Lebensregulierung, damit alles im Gleichgewicht bleibt und haben regulierenden Einfluss auf die inneren Organe. Sie sind interozeptiv.
  • Wahrnehmender Geist: Er sorgt für die Multimedia-Schau des über die Sinnesorgane wahrgenommenen Lebens, ohne direkten Einfluss auf die wahrgenommenen Objekte oder Subjekte. Er ist exterozeptiv.
  • Reflexiver Geist (manchmal auch linguistischer Geist genannt): ist zuständig fürs Nachdenken und Erinnern.

Selbstverständlich hängt alles mit allem zusammen, in einer Art ständigem Zwiegespräch zwischen Körper und Gehirn. Alle zusammen nennt Damásio auch Integrativer Geist. Hier geht es darum, das Dasein zu fühlen, Daseinsgefühle als Momentaufnahme des Gesamtbefindens.

Die Wahrnehmung der Außenwelt, Überlegungen, Gedächtnis, Sprache und Fantasie bedienen sich in großem Umfang der homöostatischen Gefühle, einer Fülle von Gefühlen aus dem Körperinneren. Weiter stehen uns die Bilder aus der Umwelt unseres Körpers sowie Bilder, die verschiedene Aspekte der Gedankenprozesse repräsentieren zur Verfügung - alles ziemlich parallel und gleichzeitig. Die ständige Kombination aus fortlaufenden interozeptiven Gefühlen, der exterozeptiven Perspektive und den Reflexionsprozessen schaffen das fortlaufende subjektive Erleben eines einzelnen Subjekts.

Nach Damásio kann das Gehirn allein keine Gefühle erzeugen, vielmehr werden die Inhalte der Gefühle durch die Lebensprozesse im Körper des biologischen Organismus hervorgebracht. Kurzum: Kein Bewusstsein ohne Körper.

Bewusstsein nach Damásio beginnt auch nicht auf der Ebene mentaler Prozesse, sondern auf der Ebene des gesamten Organismus, durch die Prozesse des Fühlenden Geistes und des ununterbrochenden Flusses homöostatischer Gefühle. Die ablaufenden geistigen Inhalte erzeugen ihrerseits dabei zusätzlich homöostatische Gefühle, die spontan bewusst sind. Gefühle sind nach Damásio wichtigster Prozess für das Entstehen des Bewusstseins.
MehrErklärungen zeigen.

Wir schätzen, dass die erste lebensfähige Zelle vor rund vier Milliarden Jahren entstanden ist. Es hat dann noch weitere anderthalb Milliarden Jahre gedauert, bis mehrzellige Organismen entstanden sind. Erste Landpflanzen und Tiere gibt es seit 500 bis 600 Millionen Jahren. Menschen waren später dran, sie bevölkern die Erde erst seit einer einstelligen Million von Jahren, und die „Krone der Schöpfung“, den homo sapiens gibt es erst seit wenigen hunderttausend Jahren. Diese Aufzählung bitte nicht zu genau nehmen, sie soll nur verdeutlichen, wie schwer sich die Evolution getan hat und wie lange sie gebraucht hat, die heute bewunderbare Welt zustande zu bringen. Ähnlich verhält es sich auch mit der Entwicklung unseres Gehirns mit seinem groß gewordenen Anteil des Neocortex, den wir hauptsächlich für unser Denken benutzen.

Die Verarbeitung vor allem der homöostatischen Signale erfolgt zu einem erheblichen Teil über evolutionär alte neuronale Systeme, deren Nervenfasern häufig nur schwach oder gar nicht myelinisiert sind. Im Gegensatz dazu verfügen viele Nervenbahnen, die beispielsweise an der Verarbeitung äußerer Sinnesreize und komplexer kognitiver Leistungen beteiligt sind, über eine isolierende Myelinschicht. Diese ermöglicht dank ihrer Isolationswirkung eine besonders schnelle und zuverlässige Weiterleitung elektrischer Signale.

Unmyelinisierte Nervenfasern kommen in nahezu allen Körperregionen vor, beispielsweise in der Haut, in Muskeln, Gelenken, Blutgefäßen und inneren Organen, sind aber keineswegs auf die inneren Organe beschränkt. Sie leiten elektrische Signale wesentlich langsamer als stark myelinisierte Nervenfasern und können durch chemische Stoffe in ihrer Umgebung beeinflusst werden. Viele dieser Nervenfasern übermitteln Informationen über körperliche Zustände an das zentrale Nervensystem und sind damit an der Regulation lebenswichtiger Körperfunktionen beteiligt. Damásio vermutet, dass gerade die besondere Wechselwirkung zwischen unmyelinisierten Nervenfasern und ihrer körperlichen Umgebung wesentlich zur Entstehung subjektiv erlebter Gefühle beiträgt.

Erklärungen verbergen

Fassen wir zusammen:

  • Bewusstsein ist keine rein geistige Angelegenheit, sondern braucht einen Körper mit einem Gehirn und Nervensystem.
  • Viele Zeitalter der Evolution waren notwendig, um ein Bewusstsein hervorzubringen. Dabei sind Gefühle der wichtigster Prozess für das Entstehen des Bewusstseins, denn bewusste Gefühle haben nachweislich die Überlebensaussichten verbessert.
  • Bewusstsein ist die natürliche Folge einer festen Kopplung von Tatsachen und Ideen darstellenden Bildern mit Gefühlen, welche die aktuellen Zustände des Körpers repräsentieren.
  • Bewusstsein bedeutet nicht nur, etwas zu fühlen oder wahrzunehmen, sondern die Welt aus der eigenen, gefühlten Perspektive zu erleben. Bewusstsein setzt Leben voraus.

Nachlese

Bewusstsein braucht nach Damásio nicht notwendigerweise ein Selbstbewusstsein. Erst durch die Entwicklung komplexerer geistiger Fähigkeiten, des Gedächtnisses, der Sprache und des abstrakten Denkens können wir Menschen schließlich unsere eigene Person zum Gegenstand bewusster Überlegungen machen. So können wir uns als individuelle Wesen mit einer Vergangenheit und Zukunft verstehen.

Damásio ist in seiner Bewusstseinstheorie fixiert auf ein Nervensystem als Voraussetzung für Bewusstsein. Deshalb tut er sich nicht schwer damit, Tieren generell die Fähigkeit zuzusprechen, ein Bewusstsein zu entwickeln. Insbesondere lässt sich nachweisen, dass Tiere Schmerzen empfinden können.


Paco Calvo

Bei Pflanzen vertritt Damásio entschieden eine andere Position. Sie haben kein Nervensystem, also - wenn es nach ihm geht - auch kein Bewusstsein. Daran ändert auch der Tatbestand nichts, dass sie Informationen über ihre Lebensumstände verarbeiten können, aber - nach seiner Auffassung - besitzen sie keine subjektiv erlebbaren Gefühle. Sie regulieren ihr Leben, ohne diese Regulation bewusst zu erleben. Er unterscheidet dabei zwischen fühlen (feeling) und spüren (sensing), worunter er zwar das Registrieren von körperlichen Zuständen und Umweltreizen versteht, aber ohne diese bewusst zu erleben. Mehr gesteht er Pflanzen nicht zu. Sein spanischer Professoren-Kollege Paco Calvo sieht das anders. Vielleicht unternimmt Antonio Damásio einmal eine Reise zu Calvos Minimal Intelligence Lab (MINT Lab) in Murcia/Spanien.

Und die Künstliche Intelligenz?

Der Untertitel von Damásios letztem Buch Natürliche Intelligenz und Bewusstsein in Zeiten von KI findet sich nur in der deutschen Ausgabe. Offensichtlich muss man auf alles KI draufschreiben, um es besser verkaufen zu können, hat der Verlag wohl bei der Softwareindustrie abgeschaut.

Unsere Natürliche Intelligenz hat ganze Erdzeitalter gebraucht, um das zu werden, wozu sie heute fähig ist. Die großen Sprachmodelle der Künstlichen Intelligenz überspringen diesen mühsamen Prozess in einer kurzen dunklen Phase des Trainings ihres aus Abermilliarden Texten gewonnenen Wortschatzes, genauer gesagt, aus einem Training der nach Statistik und Wahrscheinlichkeiten in noch mehr Milliarden Trainingsschritten ermittelten Werten für Verbindungen untereinander, jedes Wort nur ein Vektor in einem künstlichen Semantischen Raum mit ein paar hundert Dimensionen. Daraus wird durch das Filter des Benutzer-Inputs (und einem paar algorithmischen Zutaten der Herstellerfirma) jedes Ergebnis gezaubert. Und nur mit digital darstellbarer Information, bestenfalls mit durch Beschreibung simulierten Gefühlen (vgl. Künstliche Empathie), ohne eigene Empfindungen, ohne Fähigkeit zu autonomem Handeln, jedenfalls wenn man autonom im Sinne eines aus dem eigenen Erleben gesetzten Zieles versteht, und zu Kritik nur fähig, wenn sie aus gefundenen Mustern in den Myriaden des gespeicherten Datenvolumens konstruiert werden kann - alles muss bereits einmal gesagt oder geschrieben worden sein, nichts wirklich Neues.

Vieles über das Innenleben der KI-Maschinen und über die Kunst,
wie sie ihre Antworten bauen, finden Sie hinter den Links dieses Satzes.

Ausgestattet mit natürlicher Intelligenz sind wir natürlich nicht ständig mit der Regulatorik unseres Überlebens beschäftigt. Das meiste dieser Aufgaben erledigt unser Geist per Autopilot und bestenfalls bewusst, wenn wir uns um Supervision dieses meist doch sehr zuverlässig ablaufenden automatischen Prozesses bemühen. Wir haben Zugriff auf unser Gedächtnis mit seinen gespeicherten Gefühlen, die Erlebnisse oft nachhaltiger codieren als es unser Verstand vermag.

KI kann nicht auf die Ideen zurückgreifen, die bei der Natürlichen Intelligenz aus der Welt des Fühlens erwachsen. Gefühle klären Dinge für uns, durchdringen die Nebel der Fakten und Details und bringen uns dem Zustand näher, in dem wir uns befinden müssen, sowohl um am Leben zu bleiben als auch in der Welt einen Sinn zu finden.

KI kann auch nicht für die Befindlichkeit eines ratsuchenden Menschen eine empathische Antwort geben. Alles hängt von der Kunst der Benutzerin oder des Benutzers ab, einen guten Prompt mit genügend passendem Kontext zu formulieren, um dann vom KI-System eine Antwort zu erhalten, die aus ähnlichen Kontexten des gespeicherten Datenwustes gefunden wurde. Alles war schon einmal da. Und was nützen Ratschläge, deren Inhalt man schon beim Fragestellen vorwegnehmen muss?

Ein realistischer Blick auf die Leistungen der Künstlichen Intelligenz ist angebracht. Den Entwicklern stünde etwas mehr Bescheidenheit gut zu Gesicht. Politik und Presse sollten mit ihren haltlosen Übertreibungen aufhören.

Außerdem: Bei KI wird häufig übersehen, dass sie von der Natürlichen Intelligenz erfunden wurde. Ein künstlicher Geist muss sich nicht um sein Leben kümmern, denn er hat keines. Er hat nichts zu verlieren, weil er nichts besitzt. Schreibt António Damásio auf Seite 170 seines Buchs über die Natürliche Intelligenz.

Ein besonderer Vorschlag von Damasio ist uns ein Streiflicht wert.

 

Karl Schmitz • November 2025