SAP und der KI-Umbau
Mai 2026: Das System ist immer noch das alte, ein solides ERP. Man muss nicht begeistert sein, aber man kann nicht sagen, dass es schlechter geworden ist.
SAP-Aktie 2025/26: Beeindruckende Talfahrt
SAP CEO Christian Klein
Doch es steht nicht gut um den Aktienkurs der SAP. Die Hauptschuld daran: Agentic AI mit seinen Verheißungen, dass Künstliche Intelligenz alles richten wird und klassische ERP-Systeme ziemlich überflüssig macht. Natürlich blanker Bullshit, aber die Denkweise von Börsianern ist nicht die Logik von Technikern. Doch SAP-Chef Christian Klein ist reichlich nervös und hat dem System eine KI-Frischzellenkur verpasst, glaubt er zumindest.
Immerhin hat man auf die Kundschaft gehört, ein bisschen wenigstens. Nicht mehr cloud first (oder ehrlicher cloud only), und auch nicht mehr die Errungenschaften der neuen Technik nur für die Cloud-Nutzer, denn wer als Kunde nicht SAPs Druck in die Cloud folgen wollte, sollte vom KI-Fortschritt ausgeschlossen bleiben. Demnächst soll es also KI-Streusel für alle geben.
Mit der Stange im Nebel des KI-Sumpfes

Brillianz und Präzision:
Purple Diamondfür SAPs Joule-Logo
Einen eingebauten Chatbot namens Joule hat SAP schon länger an Bord, dem Hörensagen nach ist er nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes. Jetzt soll das ganze System mit KI-Agenten auf der Basis eben dieses Chatbots durchgesprenkelt werden. Zahlreiche Aufgaben sollen nun „weitgehend autonom“ geregelt werden, „Autonomous Enterprise“ für Finanzen, Logistik oder Personalwesen. Joule Work soll die Bedienung vereinfachen, sodass Nutzer ihre Aufgabe nur noch per Text beschreiben brauchen, ein digitaler Assistent soll es dann richten und die nötigen Schritte veranlassen.
Meet SAP's new AI Officer: In bekanntem Ankündigungston klingt das so (vormals Philipp Herzig, jetzt Jonathan von Rüden zugeschriebener Text, pünktlich zur Sapphire neu eingetauschter SAP Chief AI Officer):
We now have over 30 specialized agents and more than 2,500 Joule Skills. The agent-to-agent protocol means our agents work across SAP and non-SAP systems. As the number of agents grows across both, SAP AI Agent Hub already today provides customers with the essential infrastructure and guardrails to manage, govern, and discover agents in this new ecosystem.
Wir verfügen mittlerweile über mehr als 30 spezialisierte Agenten und mehr als 2.500 Joule Skills. Dank des Agent-zu-Agent-Protokolls arbeiten unsere Agenten sowohl in SAP- als auch in Nicht-SAP-Systemen. Da die Zahl der Agenten in beiden Bereichen wächst, bietet der SAP AI Agent Hub unseren Kunden bereits heute die notwendige Infrastruktur und die erforderlichen Leitplanken, um Agenten in diesem neuen Ökosystem zu verwalten, zu steuern und zu identifizieren.
übersetzen
Alles Offizielle von SAP ist nur in englisch zu haben, eine nicht so ganz geglückte Hommage an den deutschen Mittelstand. Ob sich für die anwendenden Unternehmen wirklich etwas ändert, bleibt abzuwarten. Bisher ernähren die KI-Agenten sich hauptsächlich von Vorschusslorbeeren. Chatbot-Prompts für einen vernünftigen Quartalsbericht sind schlicht und ergreifend eine Illusion, wenn man in vielen Datenbanktabellen verstreute Informationen ansprechen muss, die selbstverständlich fehlerfrei gepflegte Daten beheimaten. Ob SAP seiner Kundschaft wirklich die heiß versprochene autonom geführte Unternehmung antun will, wird hoffentlich noch eine mit Bodenhaftung ausgestattete Person im Top-Management der SAP verhindern.
Wie wäre es, wenn SAP ihren Joule-Chatbot einfach als leicht handhabbares Zusatz-Tool für das Tagesgeschäft positionieren würde, nach dem Motto, jederzeit sich am richtigen Ort die richtige Information intuitiv handhabbar besorgen zu können? Für nur gelegentliche Systemnutzer sicher ein Segen, wenn sie das Tool als gefügige Suchmaschine nutzen könnten, um schnell zu finden, was es bereits gibt, vor allem im Reporting - ein kleiner Schritt für die Systemingenieure aber ein riesiger Schritt für die Benutzer. Und wenn es dann noch durchdachte Vorschläge gäbe, was zu tun wäre, damit man mit kleinen Automatisierungen von Routinearbeiten, gerne auch KI-Agenten-gestützt, erlebbare Erfolge aufweisen könnte, Fortschritte bottom-up statt Enttäuschungen top-down?
So bleibt die Hoffnung auf Tage, in denen es wieder Ernstzunehmendes von SAP zu berichten gibt.