Balanced Scorecard Methode

Die wirtschaftliche Perspektive

Die Balanced Scorecard soll die Unternehmensstrategie zum Ziel haben, angefangen mit den langfristigen finanzwirtschaftlichen Zielen, dann diese mit dem notwendigen Handlungsablauf für finanzwirtschaftliche Prozesse, Kunden, internen Prozessen und schließlich mit Mitarbeitern und Systemen zur Erreichung der langfristigen ökonomischen Leistung verbinden.

Je nach Phase, in welcher das Unternehmen sich befindet, können sich die finanzwirtschaftlichen Ziele stark unterscheiden. Man kann die folgenden Phasen betrachten:

Viertens liesse sich noch die Degenerierungsphase nennen; sie spielt für unsere Betrachtungen keine Rolle (Typische Firmenentwicklungen lassen sich auch in Phasen von der Dorf- über eine Dschungel- bis zur Stadtkultur beschreiben).

Für jede dieser drei Phasen gibt es drei der jeweiligen Geschäftsstrategie zugrundeliegenden finanzwirtschaftlichen Themen:

Im folgenden werden aus diesen Themen abgeleitete finanzwirtschaftliche Ziele den verschiedenen Unternehmensphasen zugeordnet:

Wachstumsphase
Reifephase
Erntephase

Ertragswachstum und -mix

Hohe Umsatzwachstumsrate und hoher Marktanteil pro Zielregion, Zielmarkt und Zielkundenkategorie  
Gänzlich neue Produkte und Dienstleistungen, messbar durch den jeweiligen Prozentsatz der Erträge Neue Anwendungsgebiete für bereits bestehende Produkte, messbar durch den Umsatz in diesen Gebieten. Absatz existierender Produkte an neue Kunden und Märkte.  
  Rentabilität von Produkten, Dienstleistungen und Kunden steigern. Prozentualen Anteil unrentabler Produkte, Kunden... senken.
  Steigerung des Kooperationsertrags über Geschäftseinheiten hinweg (neue Formen von Zusammenarbeit)
    Anheben der Preise für Produkte, Dienstleistungen und Kunden, wo die Erträge die Kosten nicht decken
  Farbe

Kostensenkung und Produktivitätsverbesserung

Steigerung des Ertrags pro Mitarbeiter; Konzentration auf Produkte und Dienstleistungen mit größerer Wertschöpfung.
Kostensenkungsstrategien v.a. durch Automatisierung und Standardisierung von Prozessen stehen meist noch im Widerspruch zur Flexibilität von Kundenwünschen und Dienstleistungen in neuen Marktsegmenten
Senkung der Einheitskosten für den Output:
Steigerung der Rentabilität, verbesserter Return On Investment, Erreichung eines wettbewerbsfähigeren Kostenniveaus, Kontrolle der Gemeinkosten
  Verbesserung der Kommunikationskanäle
Ermutigung von Kunden u. Zulieferern, kostspielige manuelle Abläufe durch kostengünstigere elektronische Transaktionsablaufmöglichkeiten zu ersetzen
  Senkung der allgemeinen Vertriebs- und Verwaltungskosten
 

Vermögensverwendung und Innovationsstrategie

Hohe Investitionen (Prozentanteil am Umsatz)    
Hoher Forschungs- und Entwicklungsanteil    
  Günstiger Cash-to-Cash-Zyklus
(Lagerdauer - Umschlagsdauer von Forderungen + Umschlagsdauer von Verbindlichkeiten -> höhere Effizienz des working capital managements)
 
  Verbesserung des Nettoumlaufvermögens; insbesondere bei langen Produktionszyklen Durchsetzung von zeitigen Fortschrittszahlen für bereits geleistete Arbeiten
  Steigerung des Return On Capital Employed (ROCE) pro Hauptvermögenskategorien  
  Hohe Anlagennutzungsrate  
    Amortisation
    Durchsatz

Viele Unternehmen verwenden auch Kennzahlen für das Risikomanagement, beispielsweise die Verringerung der Differenz zwischen Prognosen und Ist-Ergebnis.

Quelle: Kaplan, Robert S. und David P. Norton: Balanced Scorecard, Stuttgart 1997

Bei der Repräsentation der wirtschaftlichen Perspektive in einer Balanced Score Card ist darauf zu achten, dass Indikatoren, die den Stand des Unternehmens in traditionellen Reporting-Grössen anzeigen (ROI, CFEOI usw.) gemischt werden mit Indikatoren, die auf eine Beschreibung des Marktwertes zielen und damit eher das Potential der Firma für die Zukunft im Visier haben. Insofern lässt sich der Shareholder-Value-Ansatz integrieren, als Korrektiv für eine zu sehr am Buchwert des Unternehmens orientierte Betrachtung (vgl. dazu die Entwicklung der IBM in den Achtziger Jahren).

Unter anderem unter Gesichtspunkten der Kapitalbeschaffung spielt die Beziehung zu den Anlegern eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Auch sie lässt sich in die BSC einbauen.