Der tse-Belegschaftsklima-Index (bki) im Jahr 2008

Beim bki-Index haben die Beschäftigten das Sagen, nicht die Manager in den Chefetagen. Ein Resümee der vergangenen 12 Monate.

Nach dem Höhenflug des bki-Index in den vergangenen beiden Jahren 2006 und 2007 folgte im Herbst 2008 der jähe Absturz. Die US-Finanzkrise hat sich zur globalen Wirtschaftskrise entwickelt. Gemessen an den schnell korrigierten Panik-Prognosen der etablierten Wirtschaftsinstitute, reagieren die befragten Betriebs- und Personalräte durchaus abgeklärt. Aber auch sie erwarten mit erheblichen Sorgen um die Stellensituation in ihren Unternehmen in das Jahr 2009.

Belegschaftklimaindex bki und Arbeitsbelastungsindex abi

Wie schon seit Mitte des Jahres 2007 haben auch im ersten Halbjahr 2008 durchweg positive Erwartungen der Befragten zu bki-Werten von mehr als 100 Punkten (entspricht Stellenzuwachs) geführt. Dabei dominiert eine vorsichtige Grundhaltung der von uns befragten Betriebs- und Personalräte: Die Zukunftserwartungen lagen im Jahr 2008 durchweg unter der jeweiligen aktuellen Beurteilung der Stellensituation. Besonders groß wurde die Differenz mit dem Einstieg in den Wirtschaftsabschwung. Sie lassen für die Beschäftigten ein schweres 1. Halbjahr 2009 erwarten. Immerhin zeigt sich mit Bekanntgabe der Dezember-Auswertung, dass der Negativtrend des bki vorerst gestoppt worden ist. (Im Dezember 87,4 Punkte nach 87,1 Punkten im November.)

Schon fast "traditionell" weist der Stressindikator abi miserable Werte von weniger als 60 Punkten auf. Dies ist auch im Jahr 2008 nicht anders. Mehrfach kratzt die Kurve der grafischen Darstellung die von uns "vorgesehene" Spannbreite nach unten. Die Schwankungen sind über das Jahr gesehen gering. Der Herbstabschwung soll von leeren Auftragsbüchern begleitet sein. Obwohl man erwarten sollte, dass dies zu einer weniger intensiven Arbeitsbelastung der Mitarbeiter führt, ist eine entsprechende Entwicklung des abi-Index nicht eingetreten.

Ergebnisse für ausgewählte Branchen (bki)

Wie zu erwarten war, sind die einzelnen Branchen von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise unterschiedlich betroffen. Hier stellen wir die branchenbezogenen bki-Werte für das Jahr 2008 vor.

Produzierende Unternehmen

Am besten schneiden die produzierenden Unternehmen ab: Zwar nimmt der Branchenindex seit Beginn des Jahres kontinuierlich ab, allerdings wurde erst in den letzten beiden Monaten die 100-Punkte-Marke unterschritten (Dezember 2008: 96,3 Punkte). Trotz der Negativ-Vorhersagen von Politik und Wirtschaft rechnen die befragten Betriebsräte der Branche auch am Jahresende nicht mit massiven Stellenverlusten in ihren Betrieben.

Handel

Bedenklich sind hingegen die Werte des Handels. Wie in den Vorjahren folgen einem schwachen Start mit Werten um die 70 Punkte bessere Monate in der Jahresmitte (über 100 Punkte im August 2008), ehe die Kurve zum Winter hin wieder deutlich schwächer wird. Auffallend ist, dass die Zukunftserwartungen der befragten Betriebsräte extrem negativ ausfallen. Sie liegen im Dezember 2008 bei unter 50 Punkten und damit auf einem der niedrigsten Werte seit Beginn der bki-Befragung vor vier Jahren. Massive Stellenstreichungen werden befürchtet.

Finanzdienstleister, Unternehmensdienstleister

Verunsicherung und mehr Bangen als Hoffen machen den Kurvenverlauf 2008 aus. Die bki-Kurve der Finanzdienstleister ähnelt dem Verlauf von Bankaktien an einem turbulenten Börsentag in diesem Jahr. Nach dem hervorragendem Jahresbeginn bei 120 Punkten und einem durchwachsenen Sommer mit Werten zwischen 80 und 100 Punkte verschlechtert sich die Stellensituation der Branche Herbst 2008, wie zu erwarten war, dramatisch auf nur noch 40 bis 50 Punkte. Dabei fallen die Ausschläge des bki nach oben und vor allem nach unten von Monat zu Monat kräftiger aus. Ein leichtes Plus im Dezember ist leider nur schwacher Trost.

öffentliche Dienstleistungen

Ähnliche Schwankungen wie der Handel weisen die bki-Werte für Unternehmen aus dem Bereich "öffentliche Dienstleistungen" auf. Einem sehr schwachen Start zu Jahresbeginn folgt im Juni ein kurzes Intermezzo im positiven Bereich. Im Herbst 2008 fallen die Ergebnisse wieder zurück auf das alte Niveau. Dabei sind die Erwartungen zum Jahresende deutlich pessimistischer als die Beurteilung der aktuellen Stellensituation.

Ausblick

Selten war die wirtschaftliche Entwicklung der näheren Zukunft und damit die Beschäftigtensituation so schwer vorherzusehen wie zum Jahreswechsel 2008/09. Die Wirtschaftsinstitute übertreffen sich gegenseitig mit düsteren Prognosen, die Politik ist einigermaßen ratlos über die geeignete Reaktion auf die Wirtschaftskrise. Wir interessieren uns dafür, wie es den von den Auswirkungen der Krise unmittelbar betroffenen Beschäftigten geht. Dazu sind in diesen orientierungslosen Zeiten die Meinungen und Einschätzungen der Belegschaftsvertreter eine wertvolle Informationsquelle, die wir gerne nutzen, um Ihnen eine ehrliche Sicht auf die Stellensituation in den Betrieben anzubieten.

Dirk Hammann, tse GmbH

 

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