Der tse-Belegschaftsklima-Index (bki) im Jahr 2007
Beim bki-Index haben die Beschäftigten das Sagen, nicht die Manager in den Chefetagen. Ein Resümee der vergangenen 12 Monate.
Aufschwung, Konjunkturlokomotive Deutschland, neues Wirtschaftswunder - nur ein paar trendige Schlagworte, mit denen Medien und Forschungssinstitute in den vergangenen 12 Monaten die wirtschaftliche Situation in Deutschland umschrieben haben. So schnell kann das gehen: Dieselben Institute malten vor zwei Jahren noch den Untergang Deutschlands an den europäischen Konjunkturhimmel.
Belegschaftklimaindex bki und Arbeitsbelastungsindex abi
Die von uns befragten Betriebs- und Personalräte haben - von Berufs wegen - schon immer Bodenhaftung bewiesen. Neu war im Jahr 2007, dass sie ab Mitte des Jahres mehrheitlich eine positive Beurteilung der Stellensituation in ihren Betrieben vorgenommen haben. - Eine optimische Stimmung ohne Überschwang und aufgeblasene rosa Elefanten: Der bki-Index stieg im Sommer 2007 erstmals seit Beginn der Umfrageerhebung auf Werte von über 100 Punkte. bki-Werte von über 100 Punkten sind als Neueinstellungen zu interpretieren. Dabei fallen die Beurteilungen für die jeweils aktuellen Lage deutlich besser aus als die Zukunftserwartungen in sechs Monaten (in der Grafik ablesbar an dem blauen "Lage"-Graphen, die über der grünen "Erwartungs"-Linie steht): Vorsichtig sind die bki-Teilnehmer also geblieben.
Die von uns befragten Betriebs- und Personalräte haben - von Berufs wegen - schon immer Bodenhaftung bewiesen. Neu war im Jahr 2007, dass sie ab Mitte des Jahres mehrheitlich eine positive Beurteilung der Stellensituation in ihren Betrieben vorgenommen haben. - Eine optimische Stimmung ohne Überschwang und aufgeblasene rosa Elefanten: Der bki-Index stieg im Sommer 2007 erstmals seit Beginn der Umfrageerhebung auf Werte von über 100 Punkte. bki-Werte von über 100 Punkten sind als Neueinstellungen zu interpretieren.
Dabei fallen die Beurteilungen für die jeweils aktuellen Lage deutlich besser aus als die Zukunftserwartungen in sechs Monaten (in der Grafik ablesbar an dem blauen "Lage"-Graphen, die über der grünen "Erwartungs"-Linie steht): Vorsichtig sind die bki-Teilnehmer also geblieben.
Möglicherweise korrespondiert die Skepsis der Befragten mit dem Abschneiden des zweiten Indikators, den wir monatlich ermitteln: Der Stressindikator abi weist auch im Jahr 2007 wieder besonders schlechte Werte auf. Der abi-Index bewegt sich schon seit Jahren in erschütternden Tiefen. Im Jahr 2007 durchbrach er zeitweise sogar den von uns vorgesehenen Rahmen der grafischen Darstellung nach unten. Nahezu alle Befragten bewerten die gefühlte Arbeitsbelastung in ihren Betrieben als extrem negativ. Aber der nachlassende Druck auf die Arbeitsplätze in den Betrieben hat leider nicht zu einer Verbesserung der Stresssituation geführt. Im Gegenteil: Der Druck auf die Beschäftigten hat sich im vergangenen Jahr noch weiter erhöht. Unter diesen Umständen ist es unserer Meinung nach nur verständlich, wenn man als Betriebs- oder Personalrat den Glauben an die Wende zum Besseren allmählich verliert und pessimistisch in die Zukunft blickt.
Möglicherweise korrespondiert die Skepsis der Befragten mit dem Abschneiden des zweiten Indikators, den wir monatlich ermitteln: Der Stressindikator abi weist auch im Jahr 2007 wieder besonders schlechte Werte auf.
Der abi-Index bewegt sich schon seit Jahren in erschütternden Tiefen. Im Jahr 2007 durchbrach er zeitweise sogar den von uns vorgesehenen Rahmen der grafischen Darstellung nach unten. Nahezu alle Befragten bewerten die gefühlte Arbeitsbelastung in ihren Betrieben als extrem negativ. Aber der nachlassende Druck auf die Arbeitsplätze in den Betrieben hat leider nicht zu einer Verbesserung der Stresssituation geführt. Im Gegenteil: Der Druck auf die Beschäftigten hat sich im vergangenen Jahr noch weiter erhöht. Unter diesen Umständen ist es unserer Meinung nach nur verständlich, wenn man als Betriebs- oder Personalrat den Glauben an die Wende zum Besseren allmählich verliert und pessimistisch in die Zukunft blickt.
Ergebnisse für ausgewählte Branchen (bki)
Das relativ erfreuliche Gesamtergebnis der Entwicklung des bki wird relativiert, wenn man die Ergebnisse branchenbezogen ermittelt. Hier werden deutliche Unterschiede erkennbar. Zwar sind die Ergebnisse 2007 im Verhältnis zum Vorjahr durchgängig verbessert. Dennoch gibt es deutliche Gewinner- und Verliererbranchen bei den Indexwerten. Den Platz an der Sonne nehmen dabei die produzierenden Unternehmen ein: Von einer kleinen Delle im Frühjahr abgesehen, lag der Branchen-bki im Jahr 2007 durchgängig bei mehr als 110 Punkten.
Das relativ erfreuliche Gesamtergebnis der Entwicklung des bki wird relativiert, wenn man die Ergebnisse branchenbezogen ermittelt. Hier werden deutliche Unterschiede erkennbar. Zwar sind die Ergebnisse 2007 im Verhältnis zum Vorjahr durchgängig verbessert. Dennoch gibt es deutliche Gewinner- und Verliererbranchen bei den Indexwerten.
Den Platz an der Sonne nehmen dabei die produzierenden Unternehmen ein: Von einer kleinen Delle im Frühjahr abgesehen, lag der Branchen-bki im Jahr 2007 durchgängig bei mehr als 110 Punkten.
Produzierende Unternehmen
Den letzten Platz im Branchenranking nimmt der Handel ein. Erstaunlicherweise verläuft die Kurve im Jahr 2007 sehr vergleichbar wie im Vorjahr: Einem sehr schwachen Start folgen bessere Monate in der Jahresmitte, ehe die Kurve zum Winter hin wieder deutlich schwächer wird. Wie an der Grafik unten leicht zu erkennen ist, bewegt sich der Branchenindex für den Handel dabei auf niedrigem Niveau (70 Punkte zu Jahresbeginn, Maximalwert 98 Punkte im Juli, 70 Punkte im Dezember 07. Die 6-Monats-Erwartung der Betroffenen liegt zum Jahresende sogar nur knapp über 60 Punkte).
Als "Aufsteiger" des Jahres können wir die Finanzdienstleister vermelden. Im Vorjahr wie auch in den ersten Monaten dieses Jahres bewegten sich die Branchenwerte auf sehr schlechtem Niveau (60 bis 80 Punkte). Beginnend mit den Mai-Werten schießt der Index dann aber auf Werte von deutlich über 100 Punkte. Zum Jahresabschluß weist die Branche sogar den höchsten Wert im Vergleich zu allen anderen Branchen auf.
Recht große Schwankungen weist der bki-Wert für die Unternehmen aus dem Bereich "öffentliche Dienstleistungen" auf. Einem sehr schwachen Start zu Jahresbeginn folgt im Juni ein kurzes Intermezzo im positiven Bereich. Im Herbst 2007 fallen die Ergebnisse wieder zurück, und liegen nun nur etwas besser als im Frühjahr.
Vergleich des bki mit der Entwicklung des ifo-Konjunkturbarometers und den Arbeitslosenzahlen
Der ifo-Konjunkturindex ist der bekannteste Frühindikator für den deutschen Wirtschaftsraum. Befragt werden Unternehmen aus verarbeitendem Gewerbe, Handel und Bauhauptgewerbe Der ifo-Index bildet also Einschätzungen der Unternehmensführungen ab . Im Unterschied dazu befragen wir die Arbeitnehmervertreter in den Unternehmen. Welche Unterschiede fallen im Kalenderjahr 07 auf?
Der tse-Belegschaftsklimaindex unterliegt größeren Schwankungen als der ifo-Index. Das liegt nahe und ist erklärbar: Denn wir fragen nach den subjektiven, gefühlten Stimmungen der Umfrageteilnehmer. Emotionen dürfen und sollen sich niederschlagen. Das finden wir richtig, denn auch Wirtschaftsleben hängt in ganz erheblichem Maß von Stimmungen ab.
Über das Jahr gesehen ist beim bki eine deutliche Stimmungsverbesserung abzulesen, während der ifo-Index leichte Verluste hinnehmen muss. Tendenziell verlaufen die Kurven gegenläufig: Im Winter sinkt der ifo-Index, während der bki leicht zulegen kann. Der bki-Minimalwert von April korrespondiert mit hohen ifo-Werten. Und während der bki-Index im Frühsommer steigt, sinkt der ifo-Index. Zu welchen Erkenntnissen führt dies? Wir tun uns schwer. Vielleicht sind Betriebsräte und Manager einfach unterschiedlich in ihrer Wahrnehmung der Dinge gestrickt...
Einen abschliessenden Vergleich führen wir noch an: Uns hat interessiert, wie sich bki-Werte und die veröffentlichten Arbeitslosenzahlen für Deutschland in den vergangenen beiden Jahren entwickelt haben. Die grüne Linie stellt die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen in Hunderttausenden dar: die Zahl 50 steht also für 5,0 Millionen, die 45 für 4,5 Millionen Arbeitslose. Wie zu erwarten war, können wir eine Scherenbewegung ausmachen. Während die bki-Werte in den letzten beiden Jahren tendenziell zugelegt haben, verringerte sich in dieser Zeit die Zahl der Arbeitslosen. (Interessant vielleicht, dass man für die Entwicklung von ifo-Index und Arbeitslosenzahlen einen solchen Zusammenhang in den letzten zwei Jahren nicht feststellen kann.)
Ausblick
Der Belegschaftsklimaindex hat sein erstes Aufschwungsjahr hinter sich gebracht. Hoffnung auf ein erfreuliches Jahr 2008 besteht nach Ansicht der befragten bki-Teilnehmer durchaus. Eingetrübt werden Prognosen allerdings durch die deutlich pessimistischeren Aussichten in den Branchen "öffentliche Dienste" und im "Handel". Die kommenden Monate werden uns allen zeigen, ob die wirtschaftliche Erholung alle Wirtschaftsbereiche nachhaltig umfasst oder die Skepsis überwiegt.
Dirk Hammann, tse GmbH