Der tse-Belegschaftsklima-Index (bki) im Jahr 2006
Beim bki-Index haben die Beschäftigten das Sagen, nicht die Manager in den Chefetagen. Ein Resümee der vergangenen 12 Monate.
2006 war das Jahr mit den bislang höchsten von uns gemessenen Werten für den bki-Index.
Nach dem katastrophalen 2. Halbjahr des Vorjahres, in dem die Werte des Belegschaftsklima-Indexes kaum noch die 80-Punkte-Marke erreichten, setzte zu Beginn des Jahres - von diesem schwachen Niveau ausgehend - bis zum Sommer ein deutlich positiver Trend ein. Die Höchstmarke wurde im Juli 2006 mit 97,2 Punkten erreicht. Danach setzte wieder ein leichter Abschwung ein. Verglichen mit den Vorjahreswerten erreicht der bki-Index jedoch auch zum Jahresende relativ hohe Werte. (Für Euphorie ist trotzdem kein Anlass: Erst ein Wert von mehr als 100 Punktensteht für einen Stellenzuwachs in den Unternehmen. Ein Wert unter 100 Punkten signalisiert Stellenabbau.)
Werfen Sie mit uns einen vergleichenden Blick auf die Entwicklung des bki-Indexes und des ifo-Geschäftsklima-Indexes.
Nachdem in den vergangenen Jahren keine eindeutige Aussage zu treffen war, so weisen die Entwicklungskurven des Jahres 2006 im Großen und Ganzen einen ähnlichen Verlauf auf. Hier wie da stieg der jeweilige Index im ersten Halbjahr 2006 an, erreichte den Höhepunkt zur Mitte des Jahres, um dann im Herbst wieder zu fallen. Zum Jahresende hin steigen die Werte wieder: der ifo-Index deutlich, zurückhaltend der bki-Index.
Während der ifo-Index neue Absatzrekorde der verarbeitenden Industrie widerspiegelt, bildet der bki-Index die Arbeitsplatzentwicklung ab. Ins Auge fällt sofort das erheblich niedrigere Niveau des bki-Index. Hier wird leider einmal mehr deutlich, dass die konjunkturellen Rekordmarken der vergangenen Monate nur sehr widerstrebend einen entsprechenden positiven Niederschlag auf die Stellensituation in den Unternehmen der von uns befragten Personal- und Betriebsräte gefunden haben: Gute Verkaufszahlen sorgen dafür, dass die Unternehmen weniger Beschäftigte entlassen, einen Trend zu Neueinstellungen (= Werte größer 100 Punkte ) können wir anhand der Einschätzungen der Befragten nur für einige Branchen - insbesondere den Produktionsbereich - feststellen. Dazu unten mehr Informationen.
Es bleibt abzuwarten, ob sich dies im Laufe der nächsten Umfragemonate verändert, denn mittlerweile vermeldet die Bundesagentur für Arbeit eine leichtes Anziehen der Nachfrage nach Arbeitskräften, wobei die positiven Effekte des milden Winters schwer zu beziffern sind. Nicht auszuschließen ist auch, dass sich die verstärkte Nachfrage zu einem großen Teil auf Zeitarbeits- und ähnliche Arbeitsverhältnisse beschränkt. Außerdem fallen 1-Euro-Jobber aus der Arbeitslosenstatistik heraus. Dies wären mögliche Erklärungsansätze dafür, dass sich die leicht verbesserten Arbeitsmarktzahlen nicht in den bki-Ergebnissen widerspiegeln. Ein weiterer Grund könnte in der Skepsis der von uns befragten Arbeitnehmervertreter liegen. Wir fragen monatlich nach der aktuellen Einschätzung der Beschäftigungssituation in den Unternehmen und wir fragen nach der Einschätzung in sechs Monaten. Die aktuelle Lagebewertung liegt im vergangenen Jahr nahezu durchgehend etwa fünf Punkte über dem Wert der Perspektiv-Erwartung.
Abschliessend betrachten wir erstmals die Entwicklung des bki für ausgewählte Branchen. Dabei stellen wir fest, dass in einzelnen Branchen durchaus bki-Werte von über 100 Punkten erreicht werden. Besonders der Bereich der Produktionsunternehmen erreicht zum Jahresende 2006 hin hohe Werte von über 120 Punkten. Der Dienstleistungssektor steht hingegen stark unter Druck, insbesondere die öffentlichen Dienstleistungen. Einen erstaunlichen Verlauf nimmt die bki-Kurve der Handelsbranche ein: Nach Werten von über 100 zur Mitte des Jahres fällt die Kurve zum Jahresende steil ab auf nur noch rund 60 Punkte.
Produzierende Unternehmen
Wir sind gespannt auf die bki-Zahlen für das Jahr 2007. Hält der Aufschwung an und schlägt er sich erstmals im bki-Index mit Werten von mehr als 100 Punkten nieder? Oder bleibt es dabei, dass die wirtschaftliche Erholung an den beschäftigten (und den arbeitslosen!) Arbeitnehmern Menschen im Lande vorbei läuft? Der Belegschaftsklimaindex hält Sie auf dem Laufenden.
Dirk Hammann, tse GmbH