Ein Jahr tse-Belegschaftsklima-Index (bki)...

Beim bki-Index haben die Beschäftigten das Sagen, nicht die Manager und Chefs in ihren gestylten Wolkenkuckucksbüros. Vor etwas über 12 Monaten hatten wir die Idee zum Belegschaftsklimaindex. Zeit für ein kurzes Resumee.

Seit August 2004 stellen wir monatlich den am Projekt teilnehmenden Betriebs- und Personalräten jeweils dieselben Fragen: "Wie beurteilt Ihr die Beschäftigungssituation in Eurem Betrieb? - heute und in sechs Monaten?" Die Ergebnisse werden zusammen gefasst. Aus den Einzelstimmen errechnen wir die Indexwerte für die jeweiligen Monate.

Damals waren wir sehr gespannt, ob und wieweit sich die Einschätzungen der von uns befragten Personen unterscheiden würden von den "etablierten" Indizes, die von den Medien als Stimmungsbarometer für die Lage in Deutschland herangezogen werden.

Werfen Sie mit uns einen vergleichenden Blick auf die Entwicklung des bki-Indexes und des ifo-Geschäftsklima-Indexes.


Im Spätsommer 2004 war die Situation noch einigermaßen entspannt. Der bki-Index lag mit über 90 Punkten auf einem Niveau, das er in den folgenden Monaten nie wieder erreichen konnte. Unternehmer und unsere Arbeitnehmervertreter hofften (vergeblich) auf den lang ersehnten Aufschwung.

Im Herbst schwächelte der ifo-Konjunkturindex. Der bki-Index schlug jedoch wesentlich heftiger nach unten aus und stürzte auf Werte von unter 75 Punkten. Ein Einbruch, von dem sich der Index bis heute nicht erholt hat.

Passend zur depressiven Grundstimmung in Deutschland waren Winter und Frühjahr geprägt von uneinheitlichem Auf und Ab auf niedrigem Niveau. Im August 2005 liegt der ifo-Index nahezu auf demselben Niveau des letzten Augusts, die Stimmungslage der von uns befragten Teilnehmer hat sich im Verhältnis zum Vorjahr erheblich verschlechtert, der bki liegt gut 10 Punkte schwächer.

Auffallend ist, dass sich ifo-Index und bki, von den Anfangsmonaten abgesehen, bislang eher gegenläufig entwickeln: In der Phase von Dezember bis Februar steigt der ifo-Index, aber der bki-Index sinkt. Von März bis Mai sinkt der ifo-Index, aber der bki legt zu. Im Juni und Juli wieder die umgekehrte Situation.

In dieses Bild passt auch die aktuelle Auswertung vom August 2005: der bki steigt, der ifo-Index sinkt. Spannend aber: Die Einschätzungen der aktuellen Lage und der Situation in sechs Monaten sind völlig gegenläufig: Während die Bosse die Zukunft in zartrosa Tönen sehen und die aktuelle Lage schwach beurteilen, konstatieren unsere Befragten eine deutliche Verbesserung der aktuellen Beschäftigungssituation, fürchten hingegen eine Verschlechterung der Lage in sechs Monaten.

Wir müssen natürlich spekulieren, worauf die gegenläufige Entwicklungen der Indizes zurück zu führen sind: Das ifo-Institut fragt die "Geschäftserwartungen" ab, wir fragen danach, ob mit Stellenabbau oder Einstellungen zu rechnen sei. In Zeiten, in denen Massenentlassungen an der Börse bejubelt werden und die Beschäftigten in vielen Unternehmen in erster Linie als Kostenverursacher werden statt als Potenzial zur Verbesserung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit, in diesen Zeiten ist die Verknüpfung naheliegend, dass "positive Geschäftserwartungen" aus Sicht der Unternehmenslenker mit Entlassungen einher gehen.

Diesem Aspekt wollen wir in den nächsten Monaten besondere Aufmerksamkeit schenken und mögliche Zusammenhänge zusammen tragen. Jubelzahlen beim ifo-Index und Arbeitslosenquoten von mehr als 10 %. - Sieht so die Zukunft aus? - Wir werden sehen. Der Belegschaftsklimaindex hält uns dabei auf dem Boden der Tatsachen.

Dirk Hammann, tse-Hamburg

 

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