Fußball, SAP und die Künstliche Intelligenz

Großspurig hat die SAP versprochen, die deutsche Nationalelf bei der Aktion Titelverteidigung zu unterstützen. Doch alle Analysetechnik half nichts. Die Mannschaft flog in der Vorrunde raus und wurde Gruppenletzter.

Fußball wird berechenbar, so titelte die Computerwoche ein Interview mit Oliver Bierhoff, der sich vor den SAP-Karren spannen ließ ("Wir wollen einen Wettbewerbsvorteil haben, indem wir die neuesten technologischen Entwicklungen nutzen und sind froh, mit der SAP dafür den besten Partner zu haben"). SAP hat es also geschafft, sich dem DFB als Big Data-Partner anzudienen und auf ihrer HANA-Plattform allmögliche Daten zu sammeln. Die Lösung SAP Sports One stellt eine Art Tool-Trickkiste zur Verfügung, darin enthalten ein Video Cockpit und ein Player Dashboard.

Ersteres sammelt fleißig Match- und Trainingsinformationen aus unzähligen Quellen, von Fernsehanstalten und auch zugekauft von privaten Dienstleistern. Big data und big money vertragen sich gut. Künstliche Intelligenz in Form von Maschinellem Lernen soll in dem Datenwust Muster und taktische Ausrichtungen erkennen, die dann für das Team aufbereitet werden, nachdem Analysten und Trainer ihre Schussfolgerungen dazu gepackt haben.

Dieses Datenkonglomerat wird dann im Player Dashboard dem einzelnen Spieler mundgerecht serviert. So soll er die entscheidenden Tipps erhalten, wie er sich auf den Gegner optimal vorbereiten kann.

SAP ist uns schon in den Betrieben mit dem Leitbild des Betreuten Arbeitens aufgefallen. Folgerichtig jetzt das Betreute Fußballspielen. So wie man in den Firmen die Leistungen der Mitarbeitenden dauerhaft überwacht, ihre Skills katalogisiert, ihr Potenzial ausgelotet und in der Datenbank verewigt hat, geht es jetzt den Fußballspielern an den Kragen bzw. an ihre Daten.

Der berechenbare Fußball - aller Begeisterung Oliver Bierhoffs zum Trotz - hat uns langweiliges Ball-Hin- und Hergeschiebe beschert, und fast alles, was Fußball für seine Fans so spannend macht, durften wir vermissen: das Spontane, Unvorhergesehene, die Leidenschaft, die blitzschnelle Entschlossenheit, den Mut zum Risiko, die ungebändigte Freude am Spielen...

PS: Die Verfechter des gesteigerten Einsatzes von KI-Analyse-Instrumenten sollten sich dringend mit der VUCA-Wand beschäftigen.

Karl Schmitz, Juli 2018
Haben Sie Fragen zum Thema? Brauchen Sie Unterstützung? Wir beraten Sie gerne!
tse GmbH - info@tse.de - 040/366951,-52